Kaum ein halbes Jahr nach der Wiedereinweihung der durch einen Brandanschlag im Mai 1997 zerstörten Kirche, erklang zum Christkönigfest im November 1999 die neu erbaute Orgel zum ersten Mal. Sie wurde erbaut von der Orgelbaufirma Fischer & Krämer aus Endingen am Kaiserstuhl.
Die Gemeinde
wünschte sich eine zweimanualige Orgel mit Pedal, die den liturgischen sowie
konzertanten Anforderungen gewachsen sein sollte und zugleich einen Beitrag
zur Bereicherung der Orgellandschaft in der Stadt und in der Region würde
leisten können. Als klangliches Ideal galt ein Instrument der badisch - elsässischen
Orgelbautradition mit seinen weich und singend intonierten Registern, das
im norddeutschen Raum selten anzutreffen ist. So entstand die neue Orgel in
St. Vicelin, übrigens die letzte im vorigen Jahrtausend neu erbaute Orgel
im Lübeck.
Konzipiert wurde sie für 24 klingende Register (darunter 4 Zungenregister:
Trompete, Hautbois, Dulcian und Fagott) sowie 3 Transmissionen auf Hauptwerk,
Schwellwerk und Pedal. Der Klang des Hauptwerks setzt sich zusammen aus dem
Prinzipalchor mit einer milden und doch brillanten Mixtur, dem Flötenchor
und den Soloregistern Gambe und Trompete. Das Schwellwerk ist eher nach dem
Vorbild des französischen Orgelbaus der Romantik disponiert (Bourdon, Salicional,
Schwebung, überblasende Traversflöte, geteilter Cornet, Hautbois). So eignet
sich die Orgel besonders zur Darstellung von deutscher und französischer Orgelmusik
vom Barock bis zur Moderne und inspiriert zu farbigen Improvisationen.
Der Aufstellungsort der Orgel ist ideal: Sie steht frei auf einer großen Empore
gegenüber dem Altar, so dass sich der Klang optimal im Raum entfalten kann.
Da direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft vermieden werden, bleibt die Stimmung
weitgehend stabil - ein wichtiges Kriterium für die bleibende Qualität des
Instruments! Die Akustik der Kirche hat nach dem Umbau dank neuer Oberlichter
und Seitenkapellen deutlich gewonnen: Der Nachhall von etwa 3 Sekunden ist
für musikalische Aufführungen bestens geeignet.
Spiel- und Registertraktur der Orgel sind mechanisch, wobei besonders lobenswert
die präzise Manual- und Pedaltraktur zu erwähnen ist, die dem Spieler eine
feinfühlige Klanggestaltung (Einfluß auf die An- und Absprache der Pfeifen)
und eine differenzierte Spielweise ermöglichen.
Eine besondere
Gelegenheit, die Viceliner Orgel zu hören, bieten Konzertreihen für Orgel-
und Kammermusik, die zweimal im Jahr unter dem Titel Viceliner Frühling
bzw. Viceliner Herbst stattfinden. Die anspruchsvollen Programme
wollen dem Zuhörer auf sehr vielfältige Weise den musikalischen Kirchenraum
erschließen.
Disposition
der Fischer & Krämer - Orgel
| Pedal
C - f ´ |
|
| 01. Subbaß | 16' |
| 02. Oktavbaß | 8' |
| 03. Gedeckt | 8' (Auszug aus HW) |
| 04. Oktave | 4' (Auszug aus HW) |
| 05. Fagott | 16' |
| 06. Trompete | 8' (Auszug aus HW) |
| 07. Koppel I - P | |
| 08. Koppel II - P | |
| Hauptwerk
(I) C - g ´´´ |
|
| 09. Bourdon | 16' |
| 10. Prinzipal | 8' |
| 11. Gamba | 8' |
| 12. Gedeckt | 8' |
| 13. Oktave | 4' |
| 14. Spillflöte | 4' |
| 15. Quinte | 2 2/3' |
| 16. Oktave | 2' |
| 17. Mixtur 4 f | 1 1/3' |
| 18. Trompete | 8' |
| 19. Koppel II - I | |
| Schwellwerk
(II) C - g ´´´ |
|
20.
Rohrflöte |
8' |
21.
Salicional |
8' |
22.
Schwebung |
8' |
23.
Traversflöte |
4' |
24.
Principal |
4' |
25
Flageolet |
2' |
26.
Nasard |
2 2/3' |
27.
Terz |
1 1/5' |
28.
Larigot |
1 1/3' |
29.
Dulcian |
16' |
30.
Hautbois |
8' |
31.
Tremulant |
|